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Thema: Wenn die Sirenen heul(t)en bedeutet dies meist nichts gutes

  1. #1
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    Blaulicht Wenn die Sirenen heul(t)en bedeutet dies meist nichts gutes

    So, lang hab ich gesucht, nun hab ich meine Unterlagen gefunden.
    Wenn dreimal aufeinanderfolgend ein schriller und unüberhörbarer Sirenenton die Goslarer Bevölkerung tagsüber aufhorchen lässt und bei Nacht hochschrecken lässt, dann hat das einen sehr wichtigen Grund, denn es brennt mal wieder und zwar Großbrand, besonders heikel, wenn die Flammen in einem Gebäude der engbebauten Innenstadt wüten. Man kann dann nur von Glück sagen, wenn der Wind nicht zu stark weht oder gar Sturm bläst, denn dann wird es wirklich übel.

    So kam es in den Jahren 1980 bis 1984 zu diversen Großbränden im Stadtbereich von Goslar und nähere Umgebung.

    Zum ersten Großeinsatz wurde die FFW Goslar am 25. März 1980 gegen 16 Uhr in die Hirschbergerstraße 6 gerufen, dort stand der Dachstuhl eines Mietshauses in Flammen. Zum Glück war es nicht zu Nacht schlafender Zeit, denn dann hätte das Unglück auch noch anders ausgehen können. Aber immerhin, und obwohl die Einsatzkräfte den Dachstuhlbrand schnell unter Kontrolle bekamen, belief sich der Schaden auf ca. 68.000 DM.

    Ein zweites Großbrandereignis gab es am 31. Oktober 1980 kurz vor 18 Uhr. Ein Dachstuhlbrand in der Worthstraße 7/8 forderte die Kameraden der Goslarer Feuerwehr (leider nicht das einzigste Mal an gleicher Stelle). Am Ende richtete das Schadenfeuer eine stattliche Summe von ca. 750.000 DM an.

    Aber, noch war das Jahr 1980 nicht vorbei, wenige Tage nach dem ersten Großbrand in der Worthstraße 7/8 brannte es dort nur wenige Tage später in der ersten Novemberwoche bei Nacht erneut.

    Den letzten Großbrand des Jahres 1980 gab es dann am 20.12 gegen 21 Uhr 48 zu verzeichnen, es wurde ein Dachgeschossbrand des Hotels Romkerhalle gemeldet. Im Gegensatz zum Großbrand in der Worthstraße hielt sich hier der Schaden noch in Grenzen, ca. 90.000 DM waren zu verzeichnen.

    Das Jahr 1981 war ganze 17 Tage alt, als erneut die Sirenen ertönten, gut eine viertel Stunde vor Beginn der 20 Uhr Tagesschau stand in der Clausthaler Straße der Gebäudekomplex der ehemaligen Greif-Werke im Vollbrand, der Schaden am Ende gewaltig 1.600.000 DM, das Gebäude musste später abgerissen werden.

    Nur vier Tage später heulten fast zur gleichen Uhrzeit die Sirenen erneut, als ich aus dem Fenster schaute aus dem oberen Stockwerk wo wir damals in der Innenstadt wohnten, sah man von weitem schon den Feuerschein. Es brannte lichterloh eine Scheune im Stadtteil Jerstedt. Zu der Zeit als Sirenenalarm gegeben wurde hatte ich gerade Besuch und wir machten uns auf und sahen mit eigenen Augen, wie die Flammen das ganze Gebäude Am unteren Dorfbach in Jerstedt quasi auffraßen. Der Schaden war am Ende gewaltig 6 Millionen DM.

    Gut ein halbes Jahr später, am 14. Juli 81 stand der Dachstuhl Am Stollen 12 in hellen Flammen. Oh meine Güte, dort wohnte ein guter Freund von mir und der hatte sein Zimmer im Dachgeschoss und seine Großmutter hatte eine ganze Wohnung im Dachgeschoss. Zum Glück geschah der Brand nicht nachts. Obwohl die FFW Goslar den Brand schnell unter Kontrolle bekam, belief sich der Schaden auf eine viertel Million DM.

    Nur ganze 4 Tage später brannte es groß in der Frankenbergerstraße 32, Gebäudebrand bei der Firma Schuh Otto wurde gemeldet und dies gegen 1 Uhr 30 in der Nacht. Der Schaden wurde mit 300.000 DM beziffert.
    Das Jahr 1981 ging dann ohne weiteren Großbrand zu Ende.

    Das Jahr 1982 war ganze 40 Tage alt, als die Wehr zu einem Großbrand am 9. Februar gegen 5 Uhr morgens zum Herzberghaus gerufen wurde (leider auch nicht der einzigste Rote Han dort). Schaden 250.000 DM.
    Im gleichen Jahr am 4. Juni kam es zu einem ausgedehnten Waldbrand am Hahnenberg in Oker, prekär bei diesem Brand verbrannte ein Einsatzfahrzeug der FFW Oker-Fahrzeugschaden 22.000 DM plus 250.000 DM Brandschaden im Waldbereich.

    Anfang September des gleichen Jahres brannte es im Baustellenbereich der Firma Prelle in der Breiten Straße 93/94. Glücklicherweise konnte der Brand auf eine Wohnung begrenzt werden, der Schaden belief sich auf 50.000 DM. Wenige Wochen später waren auch Arbeitskollegen und ich in der Wohnung um dort die verbrannten und verkohlten Balken und Wandteile sowie Fußböden zu entfernen.

    Gleich am Neujahrstag des Jahres 1983 kam es am Nordberg zu einem Waldbrand in einer Schonung, Schaden 20.000 DM.

    Ende Februar 1983 stand das leerstehende Hotel "Villa Helene" im Okertal 24 in Flammen - Schaden 50.000 DM.

    Ein weiteres leersteendes Gebäude fiel Mitte April 1983 am Alten Kaiserweg in Bad Harzburg den Flammen zum Opfer - Schaden eine viertel Million DM.

    Am 8. Juli des gleichen Jahres brannte der Dachstuhl und Garagen der Firma Sandte in Oker in der Bahnhofstraße 7 - Schaden 150.000 DM

    Nur 3 Tage später ein Waldbrand am Sudmerberg, der Schaden relativ gering, sagenhafte 5.000 DM, aber nur gut eine Stunde später kam es zu einem Brandgroßereignis im Okertal an der Käste, der Schaden enorm für ein Wald und Flächenbrand 170.000 DM. Im Übrigen war der Sommer des Jahres 1983 auch sehr heiß und trocken, da können wir von Glück reden das es 35 Jahre später also im Sommer 2018 nicht zu ähnlich dramtischen Wald- und Flächenbränden im Landkreis Goslar kam.

    Ganze 4 Tage später brannte eine Scheune in Lengde in der Hauptstraße 45 nieder - Schaden 200.000 DM.

    Erneut brannte der Wald am Sudmerberg am 13. Oktober 1983, der Schaden diesmal deutlich höher, er lag um die 35.000 DM.

    Für das Jahr 1983 hatten die Feuerwehrleute zumindest was größere Einsätze anbelangte dann endlich Ruhe.

    Gerade mal 25 Tage war das Jahr 1984 alt, als in Immenrode in der Harlingerröderstraße ein Reitstall in Flammen aufging - Schaden 300.000 DM

    Mitte Mai des Jahres 1984 brannte eine Lagerhalle der Preussag Bleihütte in Oker - Schaden 60.000 DM.

    In der ersten Septemberwoche 1984 brannte es erneut groß in Immenrode, ein Wohnhaus brannte in der Kirchteichgasse - Schaden 150.000 DM.

    Nur 3 Tage später brannte es im Sanatorium Königsberg (leider nicht das letzte mal). Da das Sanatorium leerstand zu der Zeit liegt natürlich der Verdacht der vorsätzlichen Brandstiftung nahe, es brannte das Treppenhaus und der Dachstuhl eines Gebäudeteils - Schaden 300.000 DM.

    Der letzte Großbrand 1984 dürfte bei der Alarmmeldung Dachstuhlbrand Hotel Brusttuch ein ungutes Gefühl bei den Feuerwehrkameraden ausgelöst haben, denn es waren zu diesem Zeitpunkt gut 5 Jahre vergangen, als ein Großbrand das Hotel Ritter Ramm komplett zerstörte, es blieben nur die Außenmauern stehen und mussten mit einem Stahlkorsett gesichert werden, damit das unter Denkmalschutz stehende Gebäude, jedenfalls der Rest davon nicht komplett zusammenbrach, denn durch Feuer und Löschwassereinwirkung waren im Hotel Ritter Ramm sämtliche Decken in 2/3 des Gebäudes zusammengestürzt und haben alles mit gerissen in die Tiefe, so das in 2/3 des Erdgeschosses sich gewaltige Schuttmassen aufgetürmt hatten. Im Gegensatz zur Brandursache Hotel Ritter Ramm konnte die Brandursache im Hotel Brusttuch recht schnell ermittelt werden, ein technischer Defekt war Auslöser des Dachstuhlbrandes im Hotel Brusttuch der auch hätte schnell zur Katastrophe werden können. Wäre der hohe spitze Giebel des historishen Gebäudes zusammengebrochen, sowie 5 Jahre zuvor beim Ritter Ramm, hätte das Feueer schnell weitere Nahrung in den angrenzenden Gebäuden am Hohen Weg und am Stoben gefunden.
    Das es glimpflich abging trotz eines Schadens von immerhin 150.000 DM ist zu einem der frühen Brandentdeckung zu verdanken und dem schnellen und beherzten eingreifens der Goslarer Feuerwehr. Zudem ist die Bauweise des Brusttuches wegen der Fachwerkbauweise ab dem ersten Obergeschoss weitaus wertvoller, als die Steinbauweise des Hotel Ritter Ramms zumindest was die Außenmauern anbelangt. Wertvolle Fresken und Schnitzereien wären im Falle einer Brandkatastrophe am Komplex Hotel Brusttuch wohl für immer verloren gegangen.
    Ein weiteres Kriterium weil sich der Schaden im Fall Feuer im Hotel Brusttuch in Grenzen hielt, war der kurze Anfahrtweg der Feuerwehrfahrzeuge, die zu diesem Zeitpunkt noch in der Marstallstraße ihr Domizil hatten. Allerdings war der Anfahrtweg zum Brand Hotel Ritter Ramm noch kürzer, denn man konnte gleich über die Hofseite (damals Zufahrt zum Ordnugsamt-Parkplatz und Hotel Parkplatz) den Löschangriff aufbauen. Als der Ritter Ramm in frühen Nachtstunden des letzten Sonntags im Oktober 79 brannte, war ich Augenzeuge und konnte vom Fenster aus sehen, wie rasend schnell das Feuer um sich griff. Da kommt natürlich der Verdacht auf, war da Brandbeschleuniger im Spiel oder war die schnelle Brandausbreitung im Dachstuhl auf einen Flashover zurückzuführen. Ein Flashover hätte auch zu jeder Zeit das Hotel Brusttuch komplett zerstören können, gerade die heißen Brandgase die durch einen Schwelbrand entstehen, können binnen von Sekunden zur brutalen Gefahr werden, wenn die sich plötzlich entzünden und alles was sich dem in den Weg stellt in Flammen aufgehen lässt.

    Quelle meiner Informationen, eine Buchausgabe der freiwilligen Feuerwehr Goslar zum 130 Jährigen Bestehen.

    In diesem Sinn
    der märklinist

  2. Danke von:

    Andreas (29.11.2018),Bergmönch (29.11.2018),thronerbe (28.11.2018),zeitzeuge (08.12.2018),zeitzeugin (09.12.2018)

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