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Thema: Warum ist der Landkreis Goslar so alt?

  1. #1
    Gezäheschlepper Avatar von Fniux
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    Standard Warum ist der Landkreis Goslar so alt?

    Schon im Deutschlandatlas sticht der Landkreis Goslar unter allen Landkreisen in Niedersachsen heraus und zählt zusammen mit dem LK Lüchow-Dannenberg zu den Landkreisen mit einem Anteil an Über-65-Jährigen, den man sonst nur in den östlichen Bundesländern findet: https://heimat.bund.de/atlas/anteil-...tbevoelkerung/

    Warum ist die Bevölkerung hier so alt, bzw. warum gibt es hier selbst verglichen zu anderen Landkreisen so wenige junge Menschen?

  2. #2
    Schießhauer Avatar von Harzer06
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    Moin,

    das ist m.E. ein über Jahrzehnte ablaufender Vorgang.

    Da ist zum einen der Wandel in der Wirtschaftsstruktur. In den 1960/70er Jahren hatte z.B. Odermark bis zu 4500 Beschäftigte. Damals fanden sich nicht genug Deutsche, die bereit waren, den Job dort zu machen und es wanderten viele Gastarbeiter zu. Heute ist von dem Betrieb nur noch ein Straßenname übrig, die Gebäude größtenteils abgerissen. So eine Masse an Arbeitslosen konnten andere Betriebe im Ort nicht aufnehmen. Wer damals noch nicht nahe des Rentenalters war, mußte Goslar verlassen. Und mit jedem jüngeren Arbeitnehmer geht meist auch eine Familie.
    Das betrifft auch andere Branchen, wie z.B. den Rammelsberg und die Hüttenwerke in Oker. Auch das waren in den Stilllegungsjahren jeweils noch mehrere hundert Beschäftigte. Es gibt zwar eine gewisse Nachnutzung der Hüttenwerke, aber das gleicht den ursprünglichen Verlust nicht annähernd aus.

    Dann gab es Zeiten, in denen es Rentnern und Pensionären recht gut ging (sieht für die Rentenzeit der heute beruflich Tätigen leider anders aus). Da haben sich viele hier in der Region, vor allem aber nicht nur in Bad Harzburg, mit ihrem Altersruhesitz niedergelassen.

    Auch die Infrastruktur spielt da hinein. Wer z.B. in Hahnenklee wohnt, ist dort ohne eigenes Auto lebendig begraben. Man kommt zwar abends mit dem Bus nach Goslar zu Kulturveranstaltungen, aber hinterher nicht wieder zurück. Es gibt nicht mal eine Möglichkeit, Lebensmittel zu kaufen. Dazu muß man nach Goslar oder Clausthal fahren. Mit Ärzten und Handwerk sieht es auch mau aus. Alles Probleme, die man in größeren Städten nicht hat.

    Wenn ich mich an Deine eigene Vorstellung hier richtig erinnere, wußtest Du noch nicht so recht, was Du beruflich einmal machen möchtest, aber auf jeden Fall weg von hier. Überlege doch mal, wieso.

    G´Auf
    Harzer06

  3. Danke von:

    Fniux (17.07.2019),Luzi (17.07.2019)

  4. #3
    Gezäheschlepper Avatar von Fniux
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    Vielen Dank! Ja, ich glaube, so etwas in der Art schrieb ich. Das würde ich aber tatsächlich weniger auf die Wirtschaft (zumindest mein Praktikum schloss ich bei einem mittelständischen Unternehmen in Vienenburg ab), sondern mehr auf die Kultur hier beziehen. Auch wenn ich das Gefühl habe, dass es in den letzten Jahren etwas besser geworden ist, kommt es mir so vor, als ob die Politik hier einen Dornröschenschlaf betreibt. Immerhin bietet unsere Region viele zukunftsträchtige Chancen (Tourismus, Chemie- und Recyclingindustrie), die aber mMn ignoriert zu werden scheinen. Es fehlt an Innovation und Investition an den richtigen Stellen.

  5. #4
    Wasserknecht Avatar von DonMartino
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    Ich finde Harzburg tut mehr als Goslar. Da bewegt sich was.
    In Goslar schieben sich doch immer die selben die Häppchen zu.
    Geschlossene Gesellschaft... Mittendrin meine geliebte Klosterkammer...

    Keine FH, keine Uni - alleine daher gehen viele weg.
    Das Kultur-Argument verstehe ich nicht wirklich. Wenn ich ins Theater, in eine Ausstellung oder was auch immer will,
    fahre ich mal `ne Stunde. Die paar mal im Jahr...

  6. Danke von:

    Fniux (17.07.2019)

  7. #5
    Gezäheschlepper Avatar von Fniux
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    Fachhochschule ist noch so ein Punkt. Ich orientiere mich schon deshalb in Richtung Wernigerode um (Wirtschaftsingenieurwesen). Jenseits von Berufsschulen und natürlich der TU Clausthal findet sich hier nichts. Anscheinend gab es in Harzburg mal eine Akademie Überlingen, aber ich glaube, die haben nichts mehr mit dem Ort zu tun.

    Ansonsten ist halt noch die Ostfalia eine Option. Da ist halt der öffentliche Nahverkehr überlebenswichtig, welcher besonders im Binnenharz für Pendler eine Katastrophe ist.

  8. #6
    Schießhauer Avatar von Harzer06
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    "Das Kultur-Argument verstehe ich nicht wirklich. Wenn ich ins Theater, in eine Ausstellung oder was auch immer will,
    fahre ich mal `ne Stunde. Die paar mal im Jahr... "

    Vielleicht wäre das bei einem anderen Angebot öfters der Fall.
    Und "mal... fahren"? Nur solange Senioren noch einen Führerschein haben dürfen. Die lebenslängliche Gültigkeit des Führerscheins wurde ja im Schatten einer Fußballmeisterschaft fast unbemerkt abgeschafft. Das war der Dammbruch. Alle weiteren Definitionen, was noch als fahrtüchtig gilt, sind dann nur noch kleine Verordnungen, die sich schnell ändern lassen...

    G´Auf
    Harzer06

  9. #7
    Schießhauer Avatar von märklinist
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    Hallo in die Runde,

    Harzer 06 hat mit seiner Argumentation vollkommen Recht, möchte dies aber noch ergänzen. Im Umkreis Clausthal-Zellerfeld - Schulenberg wollte sich mal so wie ich an die Worte meiner Schwiegermutter erinnere VW mit einer Produktionsstätte niederlassen, doch die Bevölkerung lehnte sich damals muss in den 50 ziger bis frühen 70 Jahren gewesen sein mächtig darüber auf und verhinderte dies schlicht. Mundpropaganda tut dann ein übriges um weitere Investoren abzuschrecken, dafür gibt es noch mehr Beispiele auch für Goslar, denn dort war mal ein großer Globusmarkt geplant und natürlich baut Globus kein EKZ in die Innenstädte sondern auf der"grünen Wiese". Das Vorhaben stieß bei der Kaufmannsgilde, bzw. der Interessengemeinschaft der innerstädtischen Einzelhändler sauer auf, man befürchtete, das die Kunden den Geschäften in der Innenstadt den Rücken kehrten. Wer es konnte machte es ohnehin, denn über die Autobahn nach BS ist es nicht weit.

    Ferner in Zeiten nach dem 2. WK. war der Landkreis GS Zonenrandgebiet und bekam Fördergelder vom Bund, ein Anreiz damit überhaupt Investoren den LK GS in Augenschein nahmen wegen des "Eisernen Vorhangs" direkt vor der Haustür. Dem Landkreis Goslar fehlt nach wie vor die Großindustrie, denn die hält eine Vielzahl diverser Arbeitsplätze bereit und die Menschen die in solch Betrieb arbeiten verdienen auch einigermaßen, so das man ohne aufstocken durch den Staat relativ gut leben kann.
    Leider hat man nach der Wiedervereinigung versäumt die Struktur zukunftsgerecht zu wandeln, sicherlich aber auch mit Rücksicht auf das Weltkulturerbe und dem Nationalpark Harz. Ehe man sich versah siedelten sich in den größeren ostdeutschen Städten große Firmen an und somit war der u.a. auch der LK GS ein Verlierer in den 90 ziger Jahren. Im Gegenteil es gingen zum teil durch hausgemachte Fehler in einigen Betrieben die Lichter aus und die Leute wurden arbeitslos, einer der größten war Möbel Unger gegen Ende der 90 ziger Jahre, auch Hottenrott war kein "Zwerg" was Beschäftigte anging. Richtig grob wurde es durch den Abzug der Bundeswehr und des Bundesgrenzschutzes. Ersatzarbeitsplätze gab es nicht so das, wie Harzer 06 schreibt, die Betroffenen die noch ein langes Arbeitsleben vor sich hatten, mit ihren Familien den LK GS verließen.

    Vor wenigen Jahren ging ja Goslars OB auf "Werbetour" um mehr Menschen nach Goslar und Umland zu locken, sicherlich erstmal keine schlechte Idee, doch was nützt es, wenn viele ausländische Mitbürger dazugekommen sind und eine Vielzahl von denen eine unzureichende Ausbildung hat und somit vergeblich sich um Arbeit bemüht, denn selbst ungelernte Einheimische finden heut zu Tage keinen Job mehr. Nun hängen viele zugewanderte am sozialen Tropf, was dem Landkreis Kosten verusacht. Zwar ist dadurch die Einwohnerzahl gestiegen und ein "aussterben Goslars" erstmal abgewendet, doch leider bleibt eine zusätzliche Wertschöpfung durch Arbeit aus, zwangsläufig können dann diese Menschen auch nur sehr wenig konsumieren, worunter der Handel leidet, außer Lebensmitteldiscounter.

    Die Struktur der Überalterung zu brechen kommt einer Quatratur des Kreises nahe, die Babyboomjahre nährern sich nun des Rentenalters, das wird die Überalterung noch weiter in die Höhe treiben und die Renten für die Babyboomer werden wahrhaftig nicht mehr so früchtetragend sein wie deren Eltern und Großeltern, was widerum das Kosumverhalten negativ beeinflusst und auch den Fachkräftemangel.
    Und zu guter letzt steht nun die industrielle Revolution 4.0 an, das wird mit Sicherheit weiter Arbeitsplätze kosten, weil diese durch moderne Rechner und Maschinen (Roboter) ersetzt werden.

    in diesem Sinn
    der märklinist
    Geändert von märklinist (19.07.2019 um 16:37 Uhr)

  10. Danke von:

    Harzer06 (20.07.2019),nobby (19.07.2019)

  11. #8
    Hauer Avatar von Trichtex
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    Moin!

    Zitat Zitat von Fniux Beitrag anzeigen
    Landkreis Goslar [...] zählt zusammen mit dem LK Lüchow-Dannenberg zu den Landkreisen mit einem Anteil an Über-65-Jährigen, den man sonst nur in den östlichen Bundesländern findet
    Ostholstein mit Fehmarn hast Du unterschlagen. Die Alten wissen halt, wo es schön ist...

    Der von märklinist bereits angesprochene Wegfall der Zonenrandförderung bei gleichzeitigem Beginn der "Ostförderung" nach der Deutschen Wiedervereinigung bescherte gerade dem Westharz eine ungeahnte Fluktuation an Arbeitsplätzen. In der Folge rüstete der Ostharz nicht nur touristisch enorm auf, was weitere Arbeitsplätze im Westharz kostete. Bundeswehrstandorte wurden im Harz plötzlich nicht mehr benötigt und sukzessive zurückgebaut. Ohne zahlungskräftige Kundschaft verschlechterte sich die Infrastruktur. Wer gut bezahlte Jobs suchte, fand sie woanders, ältere Menschen mit Eigentum blieben zumeist.

    Ein schönes Beispiel dafür, wie wenig unsere "Oberen" die mittelfristigen Folgen ihres Tuns vollständig überblicken können. Denn natürlich wollte niemand ein Ausbluten der ehemals grenznahen Gebiete und man meinte sogar, jetzt, da plötzlich Hinterland vorhanden war, wäre das Einzugsgebiet dieser Regionen größer. Stimmt auch, aber einerseits waren die "Neukunden" nicht so zahlungskräftig und andererseits liegt es auf der Hand, dass die Pflanzen, die ich pflege (fördere!), gedeihen und die, denen ich die Pflege nicht (mehr) angedeihen lasse, verkümmern.

    Kann sich noch jemand daran erinnern, wie viele Berliner den Westharz zu DDR-Zeiten bevölkerten? In Wolfshagen etwa konnte man mitunter den Eindruck gewinnen, dass es dort mehr Berliner, als Einheimische gab. Kein Wunder, der Westharz war sozusagen das Naherholungsgebiet für Berliner, als es noch zwei Deutsche Staaten gab.

    Dass es "schon immer" einzelne Orte, wie beispielsweise Bad Harzburg, gab, die als "Rentnerparadies" galten, drückt den Altersquerschnitt auch nicht gerade. Wobei Bad Harzburg für Senioren tatsächlich gut ausgestattet ist - wie viele andere Kurorte allerdings auch.

    Für junge Menschen ist der Landkreis Goslar nicht besonders attraktiv. Das sah vor einem halben Jahrhundert noch anders aus. Vielleicht wird sich das irgendwann wieder ändern.

    Viele Grüße,

    Gunther
    Geändert von Trichtex (19.07.2019 um 22:53 Uhr)

  12. Danke von:

    Fniux (05.08.2019),Harzer06 (20.07.2019)

  13. #9
    Gedingeschlepper Avatar von ottofranz
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    Hallo in die Runde,

    zu den Beiträgen der Vorredner nur kurz eine Korrektur:

    In Bad Harzburg gab es keine Akademie Überlingen, die ist in Goslar. Richtig ist vielmehr
    die "Akademie für Führungskräfte der Wirtschaft", gegründet von Reinhard Höhn. Aber nicht
    mehr existent.

    Märklinist erwähnte die Planung eines Zweigwerkes von VW, also mir ist davon nichts bekannt.
    Die Continental AG., Hannover plante ein Zweigwerk im Raum Goslar, wurde aber auf Druck
    der hier ansässigen Industrie(Preussag, Natronag, Odermark usw.), verhindert.

    Daraufhin wurde es in Northeim errichtet und ist heute noch in Betrieb, produziert u.a. Gurte
    für Förderanlagen.

    Grüße
    Ottofranz

  14. Danke von:

    nobby (28.07.2019)

  15. #10
    Gedingeschlepper Avatar von Manne
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    Warum ist der Landkreis Goslar so alt ?
    Weil niemand etwas innovativ macht. Der neueste Vernichter unserer schönen Gegend ist der Nationalpark. Seit 14 Tagen weiss ich, dass der Borkenkäfer unser Freund ist, um den Umbau des Harzes zu beschleunigen. In der "Volkstimme" vom Sonnabend las ich, dass Herr Pusch, Leiter des NP, den Harz als Experimentierfeld betrachtet. Ja Freunde, geht es denn noch. Auch Herr Knolle sollte sich bitte zurückhalten und nicht ständig dieselbe Leier vertreten. Der hat ja zu allem etwas zu immer zu sagen.
    Gruss Manne

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